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<title>reisende reporterin</title>
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<copyright>Copyright (c) 2011, jaz</copyright>

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<title>&quot;Frauen können mental stärker sein&quot; - Interview in der &quot;Welt&quot;</title>
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<summary type="text/plain">14 000 Frauen leisten den Dienst an der Waffe. Jasna Zajcek hat Soldatinnen begleitet. Ein Gespräch über Tussis, Sprüche und die Angst des Mannes vor kräftigen Mädchen Vor zehn Jahren entschied der Europäische Gerichtshof, dass Frauen nicht nur als Ärztinnen...</summary>
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<![CDATA[<p>14 000 Frauen leisten den Dienst an der Waffe. Jasna Zajcek hat Soldatinnen begleitet. Ein Gespräch über Tussis, Sprüche und die Angst des Mannes vor kräftigen Mädchen</p>

<p>Vor zehn Jahren entschied der Europäische Gerichtshof, dass Frauen nicht nur als Ärztinnen und Sanitäterinnen zur Bundeswehr dürfen - sondern auch, um "Dienst an der Waffe" zu leisten. Inzwischen tun das rund 14 000 Frauen. Jasna Zajcek hat Soldatinnen bei der Ausbildung begleitet und immer wieder Einsätze und Missionen besucht - unter anderem im Sudan, im Kosovo und in Dschibuti. Jetzt hat sie ein Buch darüber geschrieben: "Unter Soldatinnen" (Piper-Verlag). Mit ihr sprach Jennifer Wilton.<br />
</p>]]>
<![CDATA[<p></p>

<p><br />
Die Welt: Ihr Buch trägt den Untertitel "Frontbericht" - an welcher Front kämpfen deutsche Soldatinnen denn heute vor allem?</p>

<p>Jasna Zajcek: Eine Front im eigentlichen Sinne gibt eigentlich nur in Afghanistan, offiziell ja ein "kriegsähnlicher Einsatz". Dort sind auch Frauen im Einsatz. Aber im Allgemeinen kämpfen sie - wie die Männer - zunächst gegen sich, also den inneren Schweinehund, denn schon die Ausbildung ist hart. Sie kämpfen aber nicht mehr an der emanzipatorischen Front. Da haben sie sich durchgesetzt.</p>

<p>Die Welt: Sie haben selbst an der Grundausbildung in der Marineschule für Offiziersanwärter teilgenommen, an Schießübungen, Gewaltmärschen, Manöversimulationen. Wie sehr haben Sie mit sich gekämpft?</p>

<p>Zajcek: Ich habe vorher gedacht, was da auch auf dich zukommt, wird hart. Aber ich hatte keine Vorstellung davon, was hart heißt. Wenn man sich im Fitnessstudio quält, hört man halt nach anderthalb Stunden auf. Das ist hier keine Option. Dazu das Funktionieren, der Drill, das Gebrüll.</p>

<p>Die Welt: Eines der Argumente gegen Frauen in der Bundeswehr war oft genug ihre körperliche Unterlegenheit.</p>

<p>Zajcek: Also: Es ist hart, aber es ist zu schaffen. Was man als Offiziersanwärter leisten muss, ist auf dem Niveau des deutschen Sportabzeichens. Mir ist klar geworden, dass Frauen körperlich das Gleiche leisten, mental manchmal sogar noch stärker sein können als Männer.</p>

<p>Die Welt: Sie beschreiben auch, dass den Mädchen der Rucksack abgenommen wurde ...</p>

<p>Zajcek: Es gab ein Mädchen, das wirklich unsportlich war, sie hat es nicht geschafft. Bei einer anderen aber ist der Ehrgeiz so gewachsen, dass sie nicht nur den frühmorgendlichen Zehn-Kilometer-Marsch, sondern nach drei Wochen auch die 25 Kilometer durchgehalten hat, mit 26 Kilo Gepäck. Es ist die Kopfschranke, die man überwinden muss. Das wurde uns auch immer wieder gesagt: Der Körper kann noch mehr, der Körper kann noch dreimal mehr, wenn der Kopf schon sagt, es geht nicht mehr.</p>

<p>Die Welt: Die Offiziersanwärter hatten gerade erst angefangen ...</p>

<p>Zajcek: Mein Eindruck war, dass eher die Mädchen ein realistisches Bild von dem Job hatten. Die Jungs waren doch überrascht davon, was ihnen an körperlichem Engagement abgefordert wird, dazu das Lernen. Die Mädchen haben sich vorher viel mehr informiert, im Bekanntenkreis gefragt, im Internet gesucht. Die Jungen waren oft nur beim Wehrdienstberater. Und dann sitzen sie irgendwann auf ihrer Fregatte und sehen 200 Tage im Jahr kein Land und ärgern sich, dass sie immer nur die gleichen Maschinen bedienen müssen.</p>

<p>Die Welt: Die letzte Konsequenz vom "Dienst an der Waffe" ist, dass Soldatinnen zum Töten ausgebildet werden. Gab es unter ihnen eine Diskussion darüber?</p>

<p>Zajcek: Das wird ziemlich ausgeblendet, bei ihnen wie bei den Männern. Es ist etwas Abstraktes, eine Frage der Verteidigung, so legitimiert man das vor sich selber, der Verteidigung nicht mal des eigenen Lebens, sondern jenes des Kameraden, den man schützt, deckt.</p>

<p>Die Welt: Das ist 18-Jährigen so klar?</p>

<p>Zajcek: Nein, das ist ihnen nicht klar.</p>

<p>Die Welt: Die ersten Offiziersanwärterinnen beklagten vor einigen Jahren noch ihre Sonderrolle: Entweder sie würden zu vorsichtig behandelt oder aber abgelehnt.</p>

<p>Zajcek: Nach meiner Erfahrung ist das nicht mehr so. Es gibt wenig sexuelle Übergriffe, auch verbaler Art. Und es gibt die sogar in beide Richtungen: Wir hatten ein Mädchen im Nachbarzug, die hat sich immer bei einem Kameraden ins Bett gelegt, kurz vor Zapfenstreich. Er fand das putzig. Die Mädchen, die eine Offiziersanwärterausbildung machen, waren alle sehr selbstbewusst, auch im Umgang mit Männern.</p>

<p>Die Welt: Aber den ein oder anderen Spruch mussten Sie durchaus hinnehmen, oder?</p>

<p>Zajcek: Ja, natürlich - als wir die Stuben putzen sollten, sagte ein Seekadett einmal: "Sehen Sie es positiv, da lernen Sie etwas für ihr Leben nach der Bundeswehr." Aber generell muss ich sagen: Während ich die Uniform trug, haben die sich relativ brav zurückgehalten. Als ich dann beim Einsatz in Dschibuti war und nachmittags die leicht angetrunkenen Herren Unteroffiziere im Hotel befragt habe, kamen andere Dinge heraus: dass sie Angst haben vor großen und kräftigen Frauen, zum Beispiel. Und die Frauen bei der Bundeswehr - es ist ziemlich leicht, dort zu viel zu essen - sind oft groß und kräftig. Die Jungs wollen lieber kleine, süße Mädchen. Ich habe einmal eine Soldatin erlebt, die entsprach mehr dem Typ. Die hat sich noch auf dem Schiff geschminkt und hatte auch mal Liebesbriefe mit eindeutigen Einladungen in der Hängematte. Die anderen fanden das nicht so lustig. Die sagten dann schon, hey, das ist so eine Tussi, wir segeln hier bei elf Windstärken, und die macht sich die Wimpern. Da ist dann die Frauensolidarität eher eingeschränkt.</p>

<p>Die Welt: Also passen sich die Frauen an? In einem Bericht des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr war vor zwei Jahren noch von einer "Integrationsstrategie der Assimilation" die Rede ...</p>

<p>Zajcek: Auf der "Gorch Fock", dem Segelschulschiff, gibt es eine Frau bei der Stammbesetzung, die sagte den Mädels: Ihr seht ja, wir sind hier eine Männergesellschaft, da kriegt ihr eben manchmal einen Spruch, denn die Herrschaften sind richtige Seeleute. Auch solche, die sagen, Frauen bringen Unglück. Das Wichtigste sei, einen Mittelweg zu finden - also nicht, sich mit den Jungs gemein zu machen, nicht ständig zu fluchen oder umgekehrt sexistisch zu sein. Aber eben immer einen flotten Spruch parat zu haben. Muss man auch, die Männer sind zum Teil so frech, dass sie mich sprachlos gemacht haben.</p>

<p>Die Welt: Sie waren in fast allen Auslandseinsätzen, im Kosovo, im Sudan ...</p>

<p>Zajcek: Mich hat überrascht, dass auch im Einsatz so viel Verwaltungstätigkeit erledigt werden muss und ziemlich viel Langeweile vorherrscht. Selbst in Afghanistan, das weiß ich aus zweiter Hand. Ich war aber auch beeindruckt von dem Auftritt der Soldaten im Ausland, im Kosovo und in Sarajewo zum Beispiel, wo sie sehr beliebt sind. Es gab andere Situationen, die waren zum Verzweifeln - im Libanon etwa. Da sollte die libanesische Armee ausgebildet werden - ein Schuss in den Ofen, für mein Gefühl. Die haben das gar nicht ernst genommen, konnten mit Geräten nicht umgehen, kein Englisch verstehen. Es gab eine Situation, in der eine deutsche Ärztin eine Schulung leitete, und die hörten kaum zu. Haben sie noch nicht mal angeschaut. Sogar der Kommandant spielte auf seinem Handy herum.</p>

<p>Die Welt: Lag das auch daran, dass sie eine Ärztin war? Eine Frau?</p>

<p>Zajcek: Ja, Sicher. Der libanesische Kommandant akzeptiert eine junge deutsche Frau nicht als jemand, der ihm Weisungen geben kann, das ist klar.</p>

<p>Die Welt: Ist das nicht in einigen Einsatzländern generell ein Problem? Zumal in solchen der Scharia, wie etwa dem Sudan?</p>

<p>Zajcek: Das ist schwer zu sagen. Im Sudan etwa wird die Scharia lockerer gehandhabt als in Saudi-Arabien. Im Zweifel muss man sich immer behaupten als Frau, klar. Für die Mission im Sudan muss man mindestens Offizier sein. Wenn eine Frau aber Offizier bei der Bundeswehr ist, dann hat sie schon sehr lange verstanden, wie man sich Respekt verschafft.</p>

<p>Die Welt: Auch wegen der Einsätze ist ein Privatleben oft schwierig. Ist das für die Frauen ein größeres Thema?</p>

<p>Zajcek: Nein, nein, also erst mal sind es die Männer, die das Privatleben im Zweifel nicht hinkriegen! Alle sind sie beruflich stark eingebunden. Aber die Soldatinnen sind in einem Männerklub unterwegs. Die Chance, einen zu treffen, der ihnen gefällt, ist sehr groß. Bei den Männern ist es genau umgekehrt.</p>

<p>Die Welt: Und wenn es um Familie geht?</p>

<p>Zajcek: Die Armee wird immer familienfreundlicher. Dass nicht nur Frauen, sondern auch Männer Erziehungsurlaub nehmen können, ist keine Frage mehr. Ich kenne einen Fregattenkapitän - der ranghöchste deutsche Militärangehörige, der je in Elternzeit gegangen ist -, der sagt: Das erste Kind habe ich nie gesehen, beim zweiten möchte ich jetzt alles richtig machen. Ich will nach Hause für zwei Jahre.</p>

<p>Die Welt: Aber eine Soldatin wird kaum sagen können: Das erste Kind habe ich nie gesehen.</p>

<p>Zajcek: Aber das Problem stellt sich ja auch in anderen Berufen, da sind die Unterschiede gar nicht so groß. Eins ist schon klar: Richtig Karriere kann man nur machen, sagen die Soldaten, wenn man zunächst die Familie hinten anstellt.</p>

<p>Die Welt: Haben Frauen die Bundeswehr verändert?</p>

<p>Zajcek: Ein bisschen, ja, denn, das haben mir viele Dienstälteste gesagt, der Umgangston ist besser geworden. Wenn Frauen dabei sind, achten die Männer mehr auf ihr Mundwerk. Und auf die Manieren - auch wenn mir das jetzt nicht immer so aufgefallen ist. Doch: Die freuen sich, dass Frauen eben ausgleichend wirken.<br />
</p>]]>
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<title></title>
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<summary type="text/plain"> Buchpremiere: Dienstag, 16. März in der taz, Rudi-Dutschke-Str. 18, Berlin-Kreuzberg Moderation: Martin Reichert Unter Soldatinnen Gespräch mit der Autorin auf der Leipziger Buchmesse Zeit: Fr, 19. März 2010, 11.30 Uhr Ort: ARD Hörbuch-Forum...</summary>
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<![CDATA[<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="unterSoldatinnen.jpg" src="http://www.reisendereporterin.de/unterSoldatinnen.jpg" width="500" height="500" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Buchpremiere: Dienstag, 16. März in der taz, <br />
Rudi-Dutschke-Str. 18, <br />
Berlin-Kreuzberg<br />
Moderation: Martin Reichert</p>

<p>Unter Soldatinnen<br />
Gespräch mit der Autorin auf der Leipziger Buchmesse<br />
Zeit: Fr, 19. März 2010, 11.30 Uhr<br />
Ort: ARD Hörbuch-Forum</p>]]>

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<title>Bundeswehr probt Piratenjagd</title>
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<modified>2009-09-05T13:51:02Z</modified>
<issued>2009-02-19T10:58:50Z</issued>
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<summary type="text/plain">Die Bundeswehr soll vor der Kueste Somalias Piraten fangen. Den Einsatz probt die deutsche Marine in Eckernfoerde - vor allem die sportliche Herausforderung reizt viele der Soldaten. taz, 19.02.2009 Entschlossen, ernst und kampfbereit blinzelt Oberstabsgefreite Nicole H. im winterlichen Sonnenschein...</summary>
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<![CDATA[<p>Die Bundeswehr soll vor der Kueste Somalias Piraten fangen. Den Einsatz probt die deutsche Marine in Eckernfoerde - vor allem die sportliche Herausforderung reizt viele der Soldaten. </p>

<p>taz, 19.02.2009<br />
Entschlossen, ernst und kampfbereit blinzelt Oberstabsgefreite Nicole H. im winterlichen Sonnenschein dem imaginaeren Feind entgegen. Ein Kamerad der Spezialisierten Einsatzkraefte der Marine (SEKM) sichert ihren Ruecken. Flink pirschen sich die SoldatInnen auf dem Kasernengelaende der Marine in Eckernfoerde vor. Gerade haben Nicole und ihr Team sich in Sekundenschnelle aus zwoelf Metern Hoehe abgeseilt. Simulation: Fremdes Gebiet betreten und erkunden.</p>

<p>Mit vorgehaltenen Waffen,</p>]]>
<![CDATA[<p>immer Ruecken an Ruecken mit einem Partner, bewegt sich das zehnkoepfige Boarding-Team in leicht geduckter Gangart umsichtig ueber das verschneite Gelaende, die 10 bis 18 Kilo schwere Ausruestung um den Leib gezurrt, die Pistole im Anschlag.</p>

<p>Die 23-jaehrige Nicole aus Kuehlungsborn ist eine deutsche Soldatin, wie man sie sich wuenschen mag - vorausgesetzt natuerlich, dass man sich ueberhaupt deutsche SoldatInnen wuenscht. Aber wenn es schon die Bundeswehr, dann auch noch im Auslandseinsatz, geben muss, dann doch bitte mit genau solchen Frauen an der Waffe - es weckt Assoziationen an die modernen Heldinnen der Computerspiele.</p>

<p>Wie man sich wohl als somalischer Pirat gegenueber so einer mit Hightechwaffen ausgeruesteten, offensichtlich selbstbewussten und mutigen Frau gegenueber fuehlen mag? Vom ostafrikanisch-emanzipatorischen Aspekt aus betrachtet ist ihr Job sicherlich als revolutionaer zu betrachten. So jagen wir Piraten!</p>

<p>Die Marine hat die Presse geladen, um zunaechst an Land zu demonstrieren, wie die Mitglieder der Spezialisierten Einsatzkraefte der Marine Schiffe "boarden", also fremde Schiffe kontrollieren und durchsuchen. Deutschlands Marine ist wieder wer - auf der Unifil-Mission vor der Kueste Libanons, bei der "Operation Enduring Freedom" und eben bei der Operation "Atalanta" auf Piratenjagd am Horn von Afrika. Hier werden spezielle Faehigkeiten im Kampf gegen den organisierten Terrorismus und die Bedrohung durch Piraten benoetigt.<br />
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<p>Hauptaugenmerk bei "Atalanta" liegt wohlgemerkt nicht auf der absichernden Begleitung von Luxuskreuzfahrtschiffen durch die Meerenge zwischen Jemen und Somalia, sondern auf der Sicherung der internationalen Hilfsgueterlieferungen. Denn rund 3,2 Millionen Menschen, rund ein Drittel der somalischen Bevoelkerung, sind von diesen Lieferungen abhaengig. 90 Prozent der Gueter erreichen das nahezu regierungslose Land auf dem Seeweg. Jedes gekaperte Schiff der Welthungerhilfe bedeutet mehr Hunger an Land.</p>

<p>Nicole H. ist eine der zwei Frauen, die in dieser Einheit dienen. Bemerkenswert, denn, wie Kompaniechef Kapitaenleutnant Christian Duerr erklaert, von zehn, meist maennlichen Anwaertern schaffen es gerade mal sechs, die Ausbildung bis zum Ende zu durchlaufen. Die Anforderungen an koerperliche Fitness, Belastbarkeit, aber auch an die Psyche lassen die Rekruten schon in der Ausbildung taeglich ihre Grenzen spueren.</p>

<p>Das Trainingsmodul "†berleben auf See" beinhaltet simulierte Hubschrauberabstuerze ins Meer, bei denen in voller Montur der Ausweg gefunden, aufgetaucht und in Sicherheit geschwommen werden muss. Daneben werden Schie§en, waffenlose Selbstverteidigung, Taktik, Klettern und das Abseilen von Haeusern und aus dem Helikopter geuebt. "Na klar macht das Spa§, wir haben immer Action, und ich habe einen Beruf, der viel mit Sport zu tun hat - das, was ich immer wollte", erzaehlt Nicole H. Sie strahlt dabei. Es besteht kein Grund, ihr nicht zu glauben, dass sie gerne eine deutsche Lara Croft ist, die nur eben nicht vom Computerspieler, sondern von Bundestagsmandaten in den Einsatz geschickt wird.</p>

<p>Der Job sei fuer sie als Frau kein Problem. Anfangs habe sie sich durchsetzen muessen, aber inzwischen sei sie akzeptiert. Aber das ginge zu Beginn jedem so, auch den maennlichen Kollegen. Wie sie darauf kommt, sich fuer acht Jahre zu verpflichten, Deutschlands Grundsaetze weltweit an der Waffe zu verteidigen? "Ich war schon immer sportbegeistert und wollte einen spannenden Job, habe auf Anraten meiner Eltern aber erst mal Erzieherin gelernt", sagt Nicole H.</p>

<p>Die Anforderungen fuer eine Ausbildung bei den Spezialisierten Einsatzkraeften der Marine habe sie locker erbracht, dann musste sie sich mit dem Krafttraining anfreunden und schaffte es, die sechsmonatige Ausbildung mit viel Kraft- und Lauftraining durchzuhalten. Obwohl ihr anzumerken ist, wie sehr sie ihre Arbeit liebt, ist sie realistisch: "2011 habe ich meine acht Jahre abgedient und glaube, dass ich dann das will, was die meisten Frauen irgendwann wollen" - heiraten und Kinder.</p>

<p>Da sie als Sanitaeterin, neudeutsch "Medic", taetig ist, kann sie sich gut vorstellen, spaeter als Rettungssanitaeterin zu arbeiten. Vorher aber will sie noch einige Einsaetze erleben - vier waren es bisher, jeder dauerte drei Monate. Mehr als hundert fremde Schiffe hat sie schon geboardet - wie das konkret vonstattengeht, demonstriert die Marine in der naechsten Simulation.</p>

<p>Im Hafen blaest eisiger Ostseewind. Das ohrenbetaeubende Rattern der Rotorblaetter uebertoent das Geschrei der Moewen. Das Boarding-Team naehert sich per Helikopter einem Mehrzweckboot der Marine, das als Piratenschiff fungiert. In zehn Meter Hoehe wird die Tuer des Hubschraubers geoeffnet, das Seil herabgelassen, und ploetzlich sind zehn Soldaten auf dem Schiff gelandet, auf dem sich feindliche Kraefte versteckt halten sollen.</p>

<p>Nur eine Sekunde verharrt das Team, in Zweiergrueppchen, an Deck des verwinkelten Schiffes, dann sichert es mit vorgehaltener Waffe Treppen, Durchgaenge und einzelne Raeume. So wie es in der Realitaet passiert - vorausgesetzt, das Schiff leistet keinen aktiven Widerstand gegen eine Kontrolle. "90 Prozent der Schiffe in den Gewaessern vor Somalia und dem Jemen sind bewaffnet. Meist sind es einfache Fischerboote - die Besatzung will ihren Fang verteidigen koennen", erklaert Kapitaenleutnant Duerr. Mitnichten ist also ein kleines Dhau gleich ein Piratenschiff, nur weil es automatische Waffen an Deck fuehrt oder versteckt hat.</p>

<p>Aber ob sich Piraten denn nicht auch als Fischer tarnen, sich freundlich kontrollieren lassen und nach Abziehen des Boarding-Teams den naechsten Frachter entfuehren koennten? "Natuerlich kann das sein. Deshalb suchen wir nach zusaetzlichen Indizien", sagt Duerr. Falls diese gefunden werden oder Fracht und Papiere nicht uebereinstimmten, wird das Schiff zur weiteren Kontrolle in den naechsten Hafen geschickt. "Das Einsatzspektrum reicht von 12 Meter kleinen Fischerbooten bis hin zu 220 Meter langen Containerschiffen", erlaeutert Duerr.</p>

<p>Auf dem Unterdeck wird unterdessen die Durchsuchung demonstriert: Trotz der Enge der Gaenge pirschen sich die Spezialisten wieselflink vor, unter ihnen Malte, 25. Der Stabsgefreite hat den Job des "…ffners", der auch verschlossene Raeume und verriegelte Kisten an Bord oeffnen und untersuchen muss. "Ich fuehre alles mit mir, was auch ein normaler Schluesseldienst dabei hat - und dazu noch eine Bohrmaschine, Sprengstoff und eine Shotgun." Im Einsatz habe er aber bislang nur eine Kiste oeffnen muessen, in ihr seien blo§ Zigaretten gelagert gewesen.</p>

<p>Doch jetzt wird gezeigt, wie das SEKM mit Verdaechtigen, die sich auf Schiffen verstecken, umgeht: Im gleichen blitzschnellen Tempo, mit dem das Schiff geboardet wurde, wird nun der Verdaechtigen-Darsteller aus seinem Versteck gezerrt und durchsucht. "Get out!" - "Your arms up!" - "Down on the floor!" Der Darsteller liegt gefesselt auf dem Boden des Stahlschiffes. Das SEKM ist nicht zimperlich, man merkt den Druck, unter dem das Team steht. Denn theoretisch kann in jedem Raum des fremden Wasserfahrzeugs die toedliche Bedrohung lauern. "Jeder Einsatz ist eine herausfordernde Situation", sagt Kompaniechef Duerr.</p>

<p>Doch Schockereignisse, die ein posttraumatisches Belastungssyndrom nach sich ziehen koennen, haetten die deutschen Boarding-Teams noch nicht erlebt. Zudem werde jeder Einsatz intensiv nachbereitet. Die dramatischsten Bilder seien den Soldatinnen sicherlich von den vollbesetzten Fluechtlingsbooten in Erinnerung, die in der Meerenge am Golf von Aden schippern. Kleine Barkassen, denen Sprit und Trinkwasser ausgegangen waren, ueberbesetzt mit hungernden Menschen.</p>

<p>"Natuerlich helfen wir dann, auf See hat das oberste Prioritaet", sagt Duerr. Meist unterstuetzen sie medizinisch, geben Wasser und Benzin oder schleppen das Boot in die Naehe des naechsten Hafens. Ob es sich um Menschenhaendler oder ein Boot voller Fluechtlinge handele, sei dabei egal. "Save our Souls ist dann das, was wir machen", sagt der Kompaniechef. Als Sanitaeterin ist auch Nicole H. in solchen Situationen nah dabei: entschlossen, ernst und hilfsbereit.</p>]]>
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<title>Neuschnee auf Zedern</title>
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<issued>2009-01-14T22:42:02Z</issued>
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<summary type="text/plain"> Wenn Partygaenger und Pistenrowdys aufeinandertreffen: Was man beim Skifahren im Libanon alles erleben kann - Erschienen in &quot;Kulturaustausch&quot; 1/09...</summary>
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<![CDATA[<p><br />
Wenn Partygaenger und Pistenrowdys aufeinandertreffen: Was man beim Skifahren im Libanon alles erleben kann - <br />
Erschienen in "Kulturaustausch" 1/09</p>]]>
<![CDATA[<p>Durch die gro§en Fenster faellt der Blick auf ein strahlendes Bergpanorama. Im rustikal eingerichteten Fruehstueckssaal erwartet den Gast ein geschmackvoll arrangiertes Buffet, an den Tischen feines Silbergeschirr . ein Szenario wie aus einer Luxusherberge in den franzoesischen Alpen. Doch wir befinden uns im 5-Sterne-Hotel Intercontinental in Libanons beliebtestem Skigebiet, Faraya Mzaar. Auffallend anders als in Europa: die vielen Kinder an den Tischen. Ganze Gro§familien entfliehen der Hektik der Hauptstadt Beirut, dem Laerm und dem Smog. Doch nur selten sieht man, wie eine Mutter sich selbst um ihre Kleinen kuemmert . meist uebernehmen dies die mitgenommenen Dienstmaedchen. Manchmal allerdings hoert man "Antoine, leave this!" oder "Nancy, stop it!", gezischt mit franzoesischem Akzent. Es gilt als weltoffen und modern, seinen Kindern internationale Namen zu geben und mit ihnen in der …ffentlichkeit Englisch zu sprechen.</p>

<p>Drau§en glitzert der Neuschnee im Sonnenschein. Sanfte Huegellandschaften, moderne Doppelmayr-Seilbahnen und ein ungetruebter, strahlend blauer Himmel begrue§en den Wintersportler im Libanongebirge. Sechs Skigebiete gibt es derzeit dort, darunter das malerisch zwischen Zedernhainen gelegene Cedars, das exklusive Faqra, das familienfreundliche Laqlouq und das vor allem bei Langlaeufern beliebte Qanat Bakish. Ein weiteres Skigebiet ist in Planung: Sannine Zenith soll mit 59 Pisten das groe§te Wintersportareal des Landes werden. Faraya Mzaar gilt als das exklusivste und mondaenste aller libanesischen Skigebiete. Von Dezember bis April ist dieses Resort schnee- und sonnensicher und im Gegensatz zu den alpinen Skigebieten Europas nur Sonntag nachmittags ansatzweise ueberlaufen.</p>

<p>Auf bis zu 2.465 Hoehenmetern laden Tiefschnee und gepflegte Pisten aller Schwierigkeitsgrade zum Skivergnuegen ein. Allein in der Region Kesrouane, rund eine Stunde Autofahrt von der Hauptstadt entfernt, gibt es 18 Haenge und insgesamt 80 Kilometer Pisten zu erkunden. Das Tourismusministerium wirbt immer noch mit dem Slogan aus der Zeit vor dem Buergerkrieg, als der Libanon noch als die "Schweiz des Nahen Ostens" galt und Beirut als das "Paris des Orients", eine glamouroese Stadt, die internationale Weltstars magisch anzog: "Das einzige Land, in dem man morgens skifahren und mittags auf dem Mittelmeer Wasserski fahren kann". Wer dies aber tatsaechlich tun moechte, muss eine Stunde mit dem Auto ans Meer fahren . in jedem Fall ist waehrend der Wintermonate ein Neoprenanzug dringend empfohlen, denn die Temperatur des Mittelmeeres steigt erst Ende Mai wieder ueber zwanzig Grad.</p>

<p>Der Krieg gegen Israel im Jahr 2006 sorgte fuer einen gro§en Einbruch bei den Urlauberzahlen im Libanon. Jetzt waechst der Tourismus wieder, wenn auch langsam. Von den rund drei Millionen Touristen, die nach offiziellen Zahlen das kleine Land am oestlichen Mittelmeer 2008 besuchten, kamen viele nicht, um Urlaub zu machen. Es handelte sich um Libanesen, die in der zweiten oder dritten Generation im Ausland leben und die Familie in der Heimat besuchten, sowie Geschaeftsreisende aus den Golfstaaten.</p>

<p>Zehn Prozent der Tourismuseinkuenfte werden laut dem zustaendigen Ministerium durch den Skitourismus erwirtschaftet. Wintersport ist allerdings nur ein kleiner Teil des Wochenendvergnuegens der wohlhabenden Libanesen in den Wintersportgebieten. Viele der Gaeste scheinen eher nach Faraya Mzaar zu reisen, um zu sehen und gesehen zu werden. Das ist in dem Skiresort nicht anders als in St. Moritz, Aspen oder Kitzbuehel. Bei genauerem Hingucken offenbart sich ein guter Teil der Absurditaet der libanesischen Nachkriegsgesellschaft. Es glitzert viel Echtes oder Unechtes, bei der stets figurbetonten Kleidung sind Gold, Pink und andere grelle Farben altersunabhaengig beliebt. Nach dem Motto "Zu sexy und zu sehr gestylt gibt es nicht" verziehen sich die Damen nach dem Fruehstueck in ihre Raeume, um sich fuer das fruehe AprŽs-Ski-Vergnuegen herzurichten, waehrend die "Maids" mit den Kindern spielen und die Vaeter eine Runde im Bogner- oder Aigner-Skianzug wedeln gehen.</p>

<p>Morgens allerdings haben die Damen der Gesellschaft noch kein aufwaendiges Tagesmake-up aufgelegt. Das Fruehstuecksbuffet im 5-Sterne-Hotel ist daher nur spaerlich beleuchtet. Schemenhaft sind die Gaeste, die sich an orientalischen und internationalen Spezialitaeten bedienen, zu erkennen. Nur die Servicemitarbeiter an den Cr?pes- und Kaesetheken haben etwas Licht zum Arbeiten zur Verfuegung. Aber selbst im schummerigen Licht des Buffets tragen einige der betont laessig und sportlich gekleideten Damen gro§e Sonnenbrillen. Nicht wenige erholen sich hier von kleineren und groe§eren chirurgischen Eingriffen, die laengst zum Standard der oberen Zehntausend im Zedernstaat geworden sind. "Die Beleuchtung ist eine Aufmerksamkeit besonders fuer einige der weiblichen Gaeste", fluestert ein Angestellter auf Nachfrage dezent.<br />
Der Aufwand, den die lokale Damenwelt um ihre Schoenheit treibt, wird in der Arabischen Welt zum Teil bewundernd zur Kenntnis genommen, zum Teil auch schon in Comedy-Shows verspottet. Denn in den Nachbarlaendern Palaestina und Syrien beispielsweise haben die Frauen ganz andere Probleme, als den passenden Lippenstift zum franzoesischen Designerschneeanzug zu erwerben.</p>

<p>Doch auch im Libanon ist Skifahren nur ein Vergnuegen fuer eine schmale Oberschicht: Die Preise fuer die †bernachtungen in den Luxusherbergen der Resorts liegen mit rund 300 US-Dollar beim durchschnittlichen Monatsgehalt eines einfachen Arbeiters.  Aber die christliche libanesische Bevoelkerung will mit der armen, meist muslimisch-schiitischen Arbeiterklasse ohnehin nicht gemessen werden. Die Christen des Zedernstaates haben sich seit der franzoesischen Mandatszeit (1920-1943) als Teil der Grande Nation gesehen. Sie schicken ihre Kinder auf teure, frankophile Privatschulen und behaupten von sich, phoenizianischen und nicht arabischen Ursprungs zu sein. Sie wollen ihren demokratischen Staat nicht mit den umliegenden arabischen Staaten, den islamischen Koenigreichen und Diktaturen, verglichen wissen. "Es fuehlt sich hier wie Europa an, oder?", wird man als Europaeer oft gefragt. Doch nur die offiziell rund 40 Prozent der Einwohner, die christlichen Religionsgemeinschaften angehoeren, koennen das von ihren Lebensumstaenden behaupten.</p>

<p>Der Libanon steht ein wenig neben all den Klischees und Entwicklungen, die im Vorderen Orient anwendbar und zu beobachten sind. Die Menschen hier kreieren ihre ganz eigenen, religioes und materialistisch gepraegten Lebensrealitaeten. Auf hohem Niveau, und auf Kosten der "anderen". Die "anderen" sind die schiitischen Arbeiter und die Gastarbeiterinnen aus Entwicklungslaendern wie €thiopien, Sri Lanka und den Philippinen . die aehnlich wie in anderen arabischen Laendern die unliebsamen Arbeiten erledigen.<br />
Das Leben vieler Hausangestellten allerdings hat mit christlicher Naechstenliebe nicht viel  gemein. Denn nicht unbedingt werden alle Hausangestellten mit auf Wochenendausfluege genommen, sondern sie werden, wie die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in ihrem Ende August 2008 veroeffentlichten Bericht festgestellt hat, in den Wohnungen eingeschlossen. Damit sie nicht weglaufen, nicht stehlen oder Fremde in die Wohnung lassen.</p>

<p>Dieses Verhalten bleibt nicht ohne Folgen: Im Durchschnitt stirbt eine der Angestellten pro Woche bei dem Versuch, ihrem haeuslichen Gefaengnis zu entfliehen. Die haeufigste Todesursache lautet "Selbstmord durch Springen von hohen Gebaeuden", und nur selten wird untersucht, warum sie versucht haben, zu fliehen oder sich umzubringen. Human Rights Watch berichtet zudem von Unterernaehrung, zu langen Arbeitszeiten und Misshandlungen bis hin zu sexueller Gewalt gegen die fast rechtlosen Arbeiterinnen. Da die Arbeitgeber die Paesse des Personals einziehen und die Frauen oft hohe Schulden gegenueber den vermittelnden Agenturen in ihrem Heimatland haben, traut sich kaum eine, ihrem Martyrium zu entfliehen, das oft mit gerade mal umgerechnet 100 US-Dollar im Monat entlohnt wird. Das sind 150 US-Dollar weniger als der aktuelle Mindestlohn im Libanon. Und waehrend die einen ihr karges Einkommen, das oft nicht vollstaendig ausgezahlt wird, sparen und der Familie in die armen Heimatlaender senden, geben ihre Arbeitgeberinnen problemlos Hunderte an einem Freitagnachmittag fuer den Friseur und die passende Manikuere zum Skikostuem aus.</p>

<p>Aktiv auf der Skipiste sieht man die Damen der Gesellschaft selten. Dafuer amuesieren sie sich schon mittags beim AprŽs-Ski. Importierter Champagner und lokaler RosŽ wird hier zu ohrenbetaeubender europaeischer Techno-Musik kredenzt, und nach Sonnenuntergang stehen die Parties denen in exklusiven europaeischen Skiresorts in nichts nach. Auffallend sind vielleicht die vielen "Bikini-Modenschauen", mit denen die Discos in den Bergen, im christlichen Kernland, ihre Gaeste zu locken suchen. Und auf den Pisten ticken die Uhren ein wenig anders: Der europaeische Skifahrer muss sich an den lokalen Fahrstil gewoehnen, er ist an den anarchischen Autoverkehr angelehnt. Wenn Pisten aufeinandertreffen, so nimmt man sich besser vor ruecksichtslosen Rasern in Acht. Eine Pistenwacht, die die angetrunkenen Herren zur Raeson rufen koennte, gibt es noch nicht.<br />
Manchmal sieht man auch komplett verschleierte muslimische Frauen, Touristinnen aus den Saudi-Arabien oder den Emiraten, die am Rande der Pisten auf ihre Ehemaenner warten und auch muslimisch beten, waehrend direkt nebenan dem Alkohol gefroent wird.</p>

<p>Doch der Libanon waere nicht das Land mit den staerksten Kontrasten im Nahen Osten, wenn es nicht auch einen Gegenentwurf zum winterlichen Show-Alltag gaebe. So findet man beispielsweise im kleinen …rtchen Qanat Bakiche, in dem es viele antike Schreine fuer den Gott des Weines Bacchus gibt, ein durchaus ernsthaft sportbegeistertes Publikum. Hier werden die Pisten nie zu voll, und das einzige Hotel des …rtchens bietet gemuetliche Doppelzimmer fuer nur 75 Dollar an. Auf bis zu 2.250 Hoehenmetern kann man hier die Ruhe, Einsamkeit und Abgeschiedenheit genie§en, die man nicht nur in den anderen libanesischen, sondern auch in den europaeischen Skigebieten laengst vermisst.</p>]]>
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<title>Palaestina: Mariana - Ein Maedchen aus Bethlehem</title>
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<![CDATA[<p>Mein Name ist Mariana Khomsi. Ich komme aus Beit Zahour bei Bethlehem in Palaestina. Ich bin siebzehn Jahre alt und werde in zwei Jahren mein Deutsches Internationales Abitur machen, auf Deutsch, Englisch und Arabisch. Dann koennte ich im Ausland studieren. Aber dazu mu§ ich erst ein Stipendium und Genehmigungen bekommen.</p>

<p>Aus 4/08: "Kulturaustausch", das Magazin des Institutes fuer Auslandsbeziehungen</p>]]>
<![CDATA[<p><br />
Frueher konnte ich nach Israel reisen, aber nun ist es schwierig. Wir Palaestinenser brauchen Genehmigungen von israelischen Behoerden, egal, wo wir hin wollen. Ich wohne mit meiner Mutter, meinem Vater, zwei Bruedern und einer Schwester in unserem Haus. Ich bin die Zweitjuengste. Ich fuehle mich erwachsen, weil ich Verantwortung uebernehmen kann und auch muss. Ich kuemmere mich um Gro§mutter, und wenn meine Mutter nicht da ist, koche ist Essen fuer meine Geschwister und helfe Freundinnen bei den Hausaufgaben. Vielleicht lernt man bei uns in Palaestina schneller Verantwortung zu uebernehmen. Unser Leben ist haerter als das Leben in amerikanischen TV-Serien. Ich schaue sie trotzdem gerne. Das Leben ist dort ganz anders als bei uns, wir haben keine "Boyfriends"!</p>

<p>Jeden Morgen stehe ich um sechs Uhr auf und fahre mit dem Bus in die Schule. Dann muss ich sieben oder acht Stunden studieren, sehr viel auswendig lernen. Zum Mittagessen fahre ich nach Hause, dann muss ich weiter lernen. Wir bekommen viele Hausaufgaben auf. Aber so werden wir auf das Arbeitsleben vorbereitet, mit Computern, und ich bin sehr gut in Naturwissenschaften. Viele wollen im Ausland studieren und dann da bleiben, aber wer bringt dann Palaestina voran? Ich will nach dem Studium zurueckkommen. Frueher war meine Schule eine Maedchenschule, und es wurden Hand- und Hausarbeiten und deutsche Lieder und Gebete gelehrt. Aber jetzt ist sie sehr modern!</p>

<p>Wenn ich Zeit habe, spiele ich in der Schule Fu§ball, gehe Schwimmen und manchmal tanzen meine Freundinnen und ich zu Hause. Im Schwimmbad gibt es Zeiten fuer Maedchen und fuer Jungen und auch fuer Familien. Ich gehe mit meinen Freundinnen oder der Familie. Aber im Winter ist es mir zu kalt, obwohl es drinnen ist! Wir spielen auch viel Computer.<br />
Meine Eltern haben nichts dagegen, aber wenn sie mir etwas auftragen, muss ich es machen. Aber wenn ich es nicht will, lassen sie auch mit sich diskutieren, und meistens finden wir einen Mittelweg. Zum Beispiel wenn ich abends rausgehen will. Jetzt muss ich um zehn Uhr nach Hause kommen, ich finde, das reicht. Meine Freundinnen sind fast alle aus meiner Schulklasse. Maennliche Freunde habe ich nicht, das ist fuer mich nicht wichtig, auch die Idee mag ich nicht. Es ist besser fuer ein Maedchen, wenn es keine maennlichen Freunde hat. Wir machen auch nie verrueckte Sachen, fuer ein Maedchen hier ist es besser, anstaendig zu sein.</p>

<p>Meine Mutter ist mein Vorbild, obwohl sie keinen Beruf hat. Ich will Familie und Beruf. Aber drei Kinder sollen reichen. Vielleicht studiere ich Chemie oder Biochemie. Ich habe ja noch Zeit, mich zu entscheiden! <br />
Ich wuensche mir, dass ich gluecklich werde und dass Menschen mich gut behandeln. Manchmal nervt mich, wenn mir jemand sagt, dass meine Meinung nicht wichtig sei oder dass ich keine Stimme habe. Ich interessiere mich nicht fuer Politik, und zum Glueck ist die Situation hier mit den Israelis in Palaestina ein bisschen besser geworden. Angst habe ich nur vor dem Sterben, versuche aber, nicht daran zu denken.</p>

<p>Ich glaube, die Welt wird immer technischer. Vor der Globalisierung habe ich Angst, und wir muessen gegen den Treibhauseffekt kaempfen. In zehn Jahren, stelle ich mir vor, koennen Menschen alles im Sitzen erledigen, alles ist im Internet. Jetzt muessen wir Palaestinenser oft an Checkpoints warten, manchmal dauert es Wochen, bis man eine Genehmigung bekommt, wenn man z.B. einen kranken Verwandten in einem anderen Dorf in Palaestina zu besuchen. Die Menschen, die das von uns verlangen, sind mir fremd, ich verstehe sie nicht, zum Beispiel Israelis, die ich nur als Soldaten kenne, dabei sind sie gerade mal so alt wie ich.</p>

<p>Einmal war ich schon verliebt, aber er wei§ das nicht. Wir waren nicht "zusammen". Aber jetzt moechte ich ihn nicht mehr heiraten. Als christliches Maedchen darf man hier vor der Hochzeit einen Freund haben, besser ist aber, wenn man verlobt ist. Aber auch dann darf man nur Reden. Man darf nicht mal seine Hand halten. Das darf man erst, wenn man mit ihm verheiratet ist! Damit moechte ich noch warten. Ich will nicht vor 24 heiraten!</p>

<p>LIEBLINGSFILM<br />
Am besten gefaellt mir "Friends". Mein Lieblingsfilm ist "She's the man (US-amerikanische High-School-Romanze).</p>

<p>LIEBLINGSLIED<br />
Zur Zeit ist es ein Lied von Nancy Ajram (libanesische Folk-Pop-Saengerin), ein Liebeslied, das heisst "Wer hat dich vergessen".</p>

<p>LIEBLINGSFERNSEHSENDUNG<br />
Die US-Serie "Friends".</p>

<p>LIEBLINGSCOMPUTERSPIEL<br />
"Burger Shop" und "Super Mario".</p>

<p>EBLINGSBUCH<br />
Wir muessen in der Schule schon immer so viel Lesen, da habe ich privat keine Lust zu Lesen und auch kein Lieblingsbuch.</p>

<p>LIEBLINGSESSEN<br />
Makkaroni, Spaghetti, Pizza - alles Italienische.</p>]]>
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<title>Beirut Beach Life</title>
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<summary type="text/plain">Zerrissene Zedernrepublik Im Libanon hat jede gesellschaftliche Gruppierung ihre ganz speziellen Strandabschnitte. Die Armen vergnuegen sich in vermuellten Anlagen, die Reichen amuesieren sich in privaten Luxusrefugien. Es gibt es nur noch wenige Straende, die unberuehrt sind taz, 22.9.2008...</summary>
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<![CDATA[<p>Zerrissene Zedernrepublik<br />
Im Libanon hat jede gesellschaftliche Gruppierung ihre ganz speziellen Strandabschnitte. Die Armen vergnuegen sich in vermuellten Anlagen, die Reichen amuesieren sich in privaten Luxusrefugien. Es gibt es nur noch wenige Straende, die unberuehrt sind</p>

<p>taz, 22.9.2008</p>]]>
<![CDATA[<p><br />
Jounieh, libanesischer Urlaubsort, sonntags im spaeten August. Aus den Boxen droehnen die Hits der Siebziger-, Achtziger- und Neunzigerjahre. Das kleine Schwimmbecken ist ueberfuellt. Viele dicke Kinder plantschen mit allerlei Gummigetier. Zur Linken erstreckt sich das Panorama von Beiruts Cargo- und Militaerhafen, in der Luft schwebt der Doppelmayr-TelŽferique, die Hochseilbahn, die Ausfluegler auf den 600 Meter hohen Harissa-Gebirgszug ueber Jounieh bringt. An diesem Abschnitt der Levanthe duftet es nicht nach Jasmin und Kardamon, es riecht nach Pommes frites und Autos ohne Kat. †ber dem betonierten Strand liegen die Abgase zahlreicher Motorboote und Jetskis. Im Hotel Bel Azur in Jounieh, dem Urlaubsort noerdlich von Beirut, entspannen sich Familien bei Whiskey und Wasserpfeife auf Plastikliegen.<br />
Anzeige</p>

<p>Das Mittelmeer am kleinen Sandstrand des angeblichen Vier-Sterne-Hotels ist keineswegs schoen blau, sondern braeunlich, der …lfilm auf der Oberflaeche schimmert in Regenbogenfarben. Dutzende Kinder plantschen in der fischfreien drei§ig Grad warmen Bruehe, stets unter Aufsicht der philippinischen oder aethiopischen Kindermaedchen, die nicht schwimmen koennen. Ihre "Madames", libanesische Christinnen, beharren darauf, "Phoenizierinnen" und keine Araberinnen zu sein. Sie aalen sich in viel zu engen Designerbikinis. Der Fitnesswahn der westlichen Welt hat den Libanon noch nicht erreicht. Kosmetische Operationen und Fettabsaugungen sind billig und gesellschaftlich anerkannt. …l ohne Lichtschutzfaktor ist der DerniŽr Cri und die Meinung der anderen so wichtig wie der ausgiebige, woechentliche Termin im Beauty-Salon.</p>

<p>Auch die "letzten Kreuzritter des Nahen Ostens", wie sich die ehemaligen Soldaten der christlichen Milizen gern nennen, treffen sich sonntags im im Bel Azur, zum Tauchen nach versunkenen Panzern und U-Booten. Um etwas unter Wasser entdecken zu koennen, muss durch eine schleimige Schicht getaucht werden, da Muell und Bootsoel gern vor der Kueste entsorgt werden. Auch wenn die Unterwasserjagd mit Pressluftflaschen und Harpune international verboten und geaechtet ist, kuemmert das hier keinen. "Everything illegal is legal in Lebanon!", lacht ein mit kostspieliger Hightech-Ausruestung ausgestattete Jaeger, der auf seinem 45-minuetigem Tauchgang dann doch keinem einzigen Fisch begegnete.</p>

<p>Die Palaestinenser aus den Fluechtlingslagern treten im Strand- und Nachtleben ausschlie§lich als Security-Leute und Tuersteher auf, Universitaeten zu besuchen, ist ihnen im Libanon verwehrt. Im ebenfalls christlich gepraegten "Bain Militaire", dem exklusiven Beachclub der Armeeangehoerigen an Beiruts neuem Leuchtturm, ist vor allem eines erkennbar: Auswuechse einstigen Steroidmissbrauchs. Bei fast jedem Mann. Was ihnen der Apotheker anscheinend nicht verriet oder was die Verwender vielleicht auch nicht wahrhaben wollen: Maenner bekommen Brueste, wenn die Wachstumshormone aus dem Koerper schwinden. Und nicht wenige ehemaligen Soldaten tragen nun Koerbchengroe§e C.</p>

<p>Die Jungs und Teenager der Hisbollah aus dem zerstoerten Beiruter Sueden haben kein Geld fuer die zwanzig bis vierzig Dollar Eintritt fuer die diversen Strand- oder gar Jachtclubs. Sie springen an der Corniche, der Strandpromenade von Beirut, einfach von rostigen, mit Stacheldraht umgebenen Stahltraegern aus acht Meter Hoehe in das Meer. Der permanente Luftverkehr, zu Helikoptern der UN und der libanesischen Armee kommen Verkehrs- und Privatflugzeuge sowie einzelne †berwachungsflugzeuge der israelischen Armee, geben dem Szenario einen letzten kuriosen Schliff. Die Teenager tragen alte Baumwollunterhosen. Ihre Muetter und Schwestern plantschen derweil zwischen den Felsen in voller islamischer Montur. Kommen sie aus dem Wasser, so zeigt die lange, weite, nun aber nass und eng anliegende islamisch korrekte Kleidung alle Rundungen ihrer Figuren. Doch die Hauptsache ist: Arme, Rumpf, Beine und Kopf muessen bedeckt sein, egal ob durch trockenen oder nassen Stoff. Auf der Corniche, treffen sich Maenner aller Konfessionen zum Angeln, aermere Familien picknicken ebenerdig neben parkenden Autos, waehrend die Reichen Staus mit ihren ueberdimensionierten Autos und gepanzerten Sports Utility Vehicles an der Hauptverkehrsstra§e neben der Promenade verursachen.</p>

<p>Riviera Hotel an der Corniche hat gerade die exklusivste neue "Beachlounge" direkt neben dem Strand der Armen eroeffnet. Fuer zehn Dollar kann der Normalsterbliche hier seine Braeune an zwei kleinen Pools und einer gro§en Bar zur Schau tragen, wer aber etwas auf sich haelt, kann durch die bis zu 1.200 US-Dollar teure Miete eines privaten Strandzelts mit Whirlpool mit Massagefunktion, beeindrucken. Im Riviera steigen vor allem reiche Saudis und Golfstaatler, gern auch ohne ihre zahlreichen Frauen und Kinder ab. Denn fuer schoene und auch leichte Maedchen war Beirut schon in den Sechzigern bekannt, als ein Vergleich mit Paris noch moeglich war. Die Jeunesse dorŽe, die ihr geerbtes Geld gern und leicht verschwendet, zieht Clubs wie das "Oceana", eine halbe Stunde suedlich von Beirut, vor. Fuer zwanzig US-Dollar werden hier immerhin fuenf Pools geboten, einer davon in einem Areal, das nur fuer Erwachsene reserviert ist, selbstverstaendlich mit Poolbar und privaten Strandzelten, unbehelligt vom Nachwuchs; die Kinder koennen den ganzen Tag lang betreut in der "Kids Area" spielen. Sonntags uebernehmen die zwanzig- bis drei§igjaehrigen Partypeople die Pools, sie kommen direkt nach ihren langen Diskonaechten, um zu ohrenbetaeubender Progressive House, Trance und Techno-Musik an und in den Pools weiterzufeiern. Die traditionelle Kost des Libanons ist hier im "Oceana" nicht angesagt. Kulinarisches aus den USA wird vorgezogen. Die verschiedenen Poolbereiche sind nach den US-Ketten, die die Poolabschnitte gepachtet haben. Die Sorge um den Stil der Pedikuere, die Frisur und die Sonnenbrillenmarke scheinen wichtiger als die omnipraesenten und gewoehnungsbeduerftigen Koerperformen, die US-Food-Kultur erwachsen lassen.</p>

<p>Doch da der Libanon ein Land voller Gegensaetze ist, gibt es auch einen Gegenentwurf zu der kommerziellen Ausbeutung der hedonistischen Sehnsuechte der reichen christlich und sunnitisch gepraegten Bevoelkerung. Tief im Sueden, einen Kilometer vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen, drei Kilometer vor der israelischen Grenze, wo das Hinterland noch voller Minen ist, bauten zwei engagierte Tierschuetzerinnen ihren Familiensitz in einer am Strand gelegenen Bananen- und Zitronenplantage zu einem kleinen Gaestehaus, dem "Orange House", aus. Eine †bernachtung inklusive einem unter Mimosen und Hibiskusbaeumen servierten Fruehstueck aus organischen, selbst angebauten Zutaten kostet 50 US-Dollar, so viel wie eine Viertel Flasche Champagner in einer Beachlounge in der Hauptstadt. Dazu bekommt man die Aussicht auf die fein gestriegelten Ziegen, die die Milch fuer den Fruehstueckskaese geben, schauen zu, ebenso wie die zahlreichen herumflirrenden Kolibris und der freilebende Papagei.</p>

<p>Von Juni bis September beobachten Mona Khalil und Habiba Fayad an einem der letzten naturbelassenen Straende des Landes Karett- und Suppenschildkroeten. Sie fuehren Buch ueber die Eiablage, zaehlen die Weibchen, die hier seit Millionen von Jahren, lange vor der Erfindung von Religionen und Landesgrenzen und Beachclubs in einem Land, dessen Wasservorraete noch fuer zehn Jahre reichen, ihre Eier ablegen, schuetzen die Nester im Sand durch Gitter vor Fuechsen und Hunden. Und fuer zehn Dollar Gebuehr, die dem Schutz der vom Aussterben bedrohten Tiere zu Gute kommen, kann der meist auslaendische …ko-Tourist hier von Mitte August bis Mitte September helfen, die Eier vorsichtig auszugraben und das einmalige Erlebnis genie§en, hunderte von herzallerliebst tapsigen Mini-Dinosauriern in das Mittelmeer krabbeln zu sehen. Und wenn, wie die Statistik besagt, auch nur eine von hundert Babyschildkroeten zwanzig Jahre ueberlebt, zur Geschlechtsreife kommt und ihre Eier dann wieder am Orange Beach ablegen will, muss sie es nur noch schaffen, den Muell, den die UN-Soldaten ins Meer schmei§en, zu umschiffen. Sie darf keine einzige schwimmende Plastiktuete mit ihrer Lieblingsspeise, Quallen, verwechseln, da das ihren Tod bedeuten wuerde. Da wegen der Erwaermung des Mittelmeers die Quallenpopulationen stark zunehmen, ebenso wie von Kugelfischen und Barrakudas, die ihren Weg durch den Suezkanal aus dem Roten Meer finden, besteht doch noch ein wenig Hoffnung, die Reptilienarten trotz aller Widrigkeiten zu erhalten. Denn ab einer Nesttemperatur von ueber 30 Grad wachsen mehr Weibchen in den Eiern heran. Hier duftet die Luft endlich wieder nach Jasmin und Kardamon.</p>

<p><br />
DER LIBANON</p>

<p>Offizieller Staatsname: Libanesische Republik Lage: Am oestlichen Ende des Mittelmeers. Der Libanon wird auch die "Schweiz des Nahen Ostens" genannt Hauptstadt: Beirut Bevoelkerungszahl: Etwa vier Millionen Einwohner (2008) Staatsform: Republik Sprache: Amtssprache ist Arabisch. Daneben sind auch Franzoesisch und Englisch weit verbreitet Religion: Die groe§te Glaubensgemeinschaft gehoert zum Islam, gefolgt vom Christentum</p>]]>
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<title>Bestandsaufnahme Malediven</title>
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<modified>2009-09-04T23:50:28Z</modified>
<issued>2008-06-08T01:24:25Z</issued>
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<summary type="text/plain">Tropenregen prasselt auf nicht einmal ansatzweise dichte Wellblechdaecher. Von Sonnenauf - bis Sonnenaufgang peitscht Wind unermuedlich warme, dicke Tropfen in alle Ritzen der slumartigen Behausungen von Male&apos;. Alles ertrinkt, denn......</summary>
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<dc:subject>WELT</dc:subject>
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<![CDATA[<p>Tropenregen prasselt auf nicht einmal ansatzweise dichte Wellblechdaecher. Von Sonnenauf - bis Sonnenaufgang peitscht Wind unermuedlich warme, dicke Tropfen in alle Ritzen der slumartigen Behausungen von Male'. Alles ertrinkt, denn...</p>]]>
<![CDATA[<p>von Juni bis September verwandelt der Monsun die Hauptinsel eines der exklusivsten Reiseziele der Welt stunden- oder auch tageweise in eine dampfende Tropenhoelle aus Beton und Abwasser. Dicker grauer Schleier legt sich ueber die in froehlich gemeinten Pastellfarben bemalten unverputzten Fassaden der achtstoeckigen, Betonkaesten im Tauchertraum-Land. Im vergangenen Jahr verbrachten ueber 70 000 Deutsche ihre schoenste Zeit des Jahres auf den Nachbarinseln, ab tausend Euro inklusive Flug die Woche, pauschal.</p>

<p>Unter einem ueppigen, mit Frangipani und Bougainvillea dekoriertem Mittagsbuffet kann sich hier, wo nachts die machetenschwingenden Gangs "Bosnia" und "Petrol", um die Hohheit im Heroinverkauf kaempfen, nicht einmal etwas vorstellen.</p>

<p>Ein Drittel der Bevoelkerung teilt sich den engen Lebensraum des gerade einmal zwei Quadratkilometer kleinen Wirtschaftszentrums der Wasserrepublik. Viele, wenn nicht die meisten Male'er schlafen umschichtig in ihren aermlichen Huetten. Ein enger Gang zwischen den hohen Gebaeuden, schiefe Tueren, kleine Raeume mit niedrigen Decken, denn der aus Sperrmuell oder Wellblech gefertigte Haengeboden muss, ebenso wie der Lehmfu§boden, dienen um zwanzig oder mehr Menschen auf fuenfzehn Quadratmetern unterzubringen.</p>

<p>Ungenie§bares Wasser troepfelt in den fensterlosen Loechern im Revier von Bosnia aus improvisierten Leitungen. Nichts erinnert hier an Palmen, wei§e Korallensandstraende, die niedlichen verspielten Babyrochen und die kleinen, harmlosen Wei§spitzenriffhaie, die auf den anderen der rund 1190 Inseln schon im flachen Wasser des begeisterten Schnorchlers um die Fue§e flitzen. Auf Male' gibt es nur einen kleinen kuenstlichen Strand, aber vier Abwasserkanaele in allen Himmelsrichtungen, die die Kloake ungeklaert in den Ozean transportieren.</p>

<p>Die Malediven sind zurecht eine Traumdestination auf der touristischen Landkarte, sofern der Reisende, wie in so vielen armen Laendern, den vom Reiseveranstalter huebsch mit alkoholischen Getraenken und Tropenblumen arrangierten Pfad keinen Deut verlaesst. Alkohol ist fuer die einheimischen sunnitischen Muslime nicht nur per Koran, auch per Gesetz und unter Strafe verboten zu genie§en. †ber Haschisch, Heroin und Klebstoffdampf steht nichts im dritten heiligen Buch geschrieben, zu spaet erkannte der dienstaelteste Praesident Suedostasiens, Maumoon Abdul Gayoom, bekannt fuer Brutalitaet und die Verletzung von Menschenrechten, dass Drogenaufklaerung haette schuetzen koennen. Nun haben nach Schaetzung des ersten ehrenamtlichen Streetworkers von Male'rund 90 Prozent der Jugendlichen Drogenprobleme, mit denen niemand umzugehen wei§. Zu jung noch ist die neue Taktik "Aufklaerung statt Strafe", die internationale NGOs nun endlich forcieren.</p>

<p>Traditionell wird Trinkwasser auf den Koralleninseln aus Regen gewonnen. Daran ist hier, in der Hauptstadt, auf der Insel Male', deren Schicksal ist, gro§ und zentral im immer warmen Indopazifik voller traumschoener Atolle gelegen zu sein nicht zu denken. Der Wind bringt giftige Gase von der Nachbarinsel Thila Fushi, Umweltorganisationen sprechen von einer "toxischen Bombe im indischen Ozean", eine Insel, geopfert der unkontrollierten, permanenten, ungefilterten Muellverbrennung. †ber 700 000 reiche, anspruchsvolle Gaeste, bei forciert steigender Tendenz jaehrlich zu verwoehnen, hat seinen Preis. 90 Prozent der Tourismuseinkuenfte gehen an den Staat, also an die Diktatorenfamilie, die nicht an viele umverteilt.</p>

<p>Unlaengst hat der Minister fuer Atollentwicklung elf Inseln als Baugrund fuer weitere Luxus-Urlaubresorts freigegeben, Zusaetzlich zu den 33 ohnehin im Bau befindlichen. 87 gibt es bereits. Bald wird die Schiffswerft auf der Muelldeponie-Insel Thila Fushi noch groe§eren brennenden Allesmuellfeldern weichen muessen, ein Glueck fuer die trotz Vermummung schwer hustenden und spuckenden Werftarbeiter, sie werden auf einer anderen unbewohnten Insel arbeiten muessen. Ein Pech aber fuer alle Nachbarinseln, es sind ueber ein Dutzend edle Resorts z.B. der exklusiven Universal-Kette darunter. Wenn der Staat sich nicht um saubere Atemluft fuer seine Buerger und Gaeste sorgt, sollten es internationale Tourismuskonzerne tun? Fragt ein Gast, was denn dort am Horizont, zehn Bootsminuten vom Resort Bandos, das sich im Besitz des Ministers von Jugend und Sport befindet, so seltsam gelblich rauche, erhaelt er die Antwort: "Oh, they're just burning rubbish."</p>

<p>Unverstaendlich, denn traditionell liebt die friedfertige Kultur der Malediven die Natur, Fischfang mit Netzen ist verboten, die Kuestenwache ist staendig im Einsatz, um vor allem japanische und chinesische Schleppnetz-Trawler abzuwehren. Fisch wird ausschlie§lich geangelt, hauptsaechlich gro§e 50-Kilo-Gelbflossentunfische und silberne Schwarmfische wie Makrelen, die sich dem Taucher oft als massiv wirkende, silbern glitzernde Wand in den Weg stellen, bevor sie blitzschnell in aquadynamischen Formationen auseinanderzischen und wieder zueinander finden.</p>

<p>Wer traegt die Verantwortung fuer  fehlgeleitetete Entwicklungen, in einem kleinen islamischen Land, das sich erst 1972 dem Tourismus oeffnete? In dem der Reisende heute noch von Kinder auf Inseln der Einheimischen, die ohne Fernsehapparate leben, gefragt wird, ob er aus Germany Island kaeme, da die Vorstellung, dass Staaten nicht aus Inseln, so fernab der Ur-Vorstellung dieses stolzen Seefahrer- und Apnoetauchervolkes liegt?  </p>

<p>100 000 der 340 000 Menschen zaehlenden Bevoelkerung der Malediven leben auf engstem Raum, der Gro§teil von weniger als einem Dollar pro Tag. Die  Millionen Euros und Dollars, welche die Touristenschar, deren Anzahl anhand der Erschlie§ung des chinesischen und indischen Marktes schon bald ueber eine Million Gaeste pro Jahr betragen soll, sickern nicht nach unten. Dieser Missstand ist eines der Hauptargumente fuer freie Wahlen, wie der Praesidentschaftskandidat der 2004 gegruendeten Maldivian Democratic Party (MDP), Anni`, erklaert. Doch zunaechst mu§ der Diktator eine neue Verfassung verabschieden, die demokratische Wahlen zulaesst. Damit Gayoom seine Macht bei den im Oktober oder November oder wieder um ein Jahr verschobenen Wahlen halten kann, lae§t er seine maennlichen Verwandten bereits jetzt Parteien bilden, um die jungen Buerger der - dann - einzigen demokratischen islamischen Republik der Welt  zu Verwirren, um nur sich selbst die Opposition zu stellen.</p>

<p>Malediven, im Monsun: ein fast schon preiswertes Urlaubsvergnuegen, ohne Sonnenscheingarantie wie zur Hauptsaison in unserem Herbst und Winter, fuer Schnorchler aber ein Geschenk: wenn der warme Regen auf den Ozean prasselt, bricht die Wasseroberflaeche. So dringen die Strahlen des Lichtes tiefer ins Meer, sie lassen die Farben der unzaehligen quietschebunten Fische, die Geschlecht und Farbe je nach Alter aendern, nahezu fluoreszieren.</p>

<p>In Male leuchtet nichts, es funzeln hoechstens nackte Gluehlampen in katastrophalen Kaschemmen, in denen Babies neben schwindenden Urgro§eltern von drogensuechtigen Eltern geboren werden.</p>

<p> "Utopia" nennen die Einheimischen die luxurioesen, perfekt von internationalen Hotelkonzernen gemanagten kuenstlichen Inselparadiese, auf denen Rind aus Argentinien, Bier, Schwein, Tomaten aus Holland und Champagner aus den besten Lagen von Angestellten, viele davon aus Bangladesch, Sri Lanka und Indien serviert wird. Trotz des Gesetzes, welches verfuegt, dass mindestens die Haelfte der Resortangestellten maledivischen Ursprungs sein muss, ist es fuer die Human-Resources-Manager der Resortinseln nicht einfach, diese Quote zu erfuellen. Junge Malediver, Mitglieder (Buerger?) des Commonwealth, absolvieren bis auf wenige mindestens ihre O-, aber auch A-Levels, unserem Realschul- oder Gymnasialabschluss gleichkommend.<br />
 <br />
 Das seit den Achtziger Jahren aus Indien gebrachte Heroin wirkt leider dagegen. Trotzdem: Alle sprechen flie§end Englisch, die meisten Nicht-Male'er sind begeisterte Schwimmer und Schnorchler, auch die Frauen, die, islamisch korrekt, ihre Wasservergnuegen in langen Kleidern mit Kopftuch genie§en. Die Digitalkultur der Globalisierung ist auch auf den Malediven laengst angekommen, Gymnasiasten spielen Ballerspiele im Internet und chatten online. Bald soll die erste Universitaet gegruendet werden, es gibt viele weiterfuehrende Schulen, Stipendien fuer indische und britische Universitaeten werden vergeben. Flaechendeckende Wifi-Internetverbindungen gibt es nicht nur im tropisch-paradiesischen Utopia, sondern auch in Bosnia. Karrieren dank Internet-Fernstudium sind mittlerweile ganz normal.</p>

<p>Viele erkennen nicht die Notwendigkeit, reichen Auslaendern fuer einhundert bis einhundertfuenfig US-Dollar im Monat dienstbar zur Verfuegung zu stehen, oftmals ohne Trinkgeld zu bekommen, denn das geben Pauschaltouristen eher selten, und wenn, dann nur wenig, wie Mohammed auf der Neckermann- und Thomas Cook-Insel Velidhu im Ari-Atoll erklaert. Ein Bengale, der zu diesem Hungerlohn bei seinem Agenten in Bangladesch alleine fuer die Jobvermittlung oft ueber 3000 Dollar abarbeiten muss, kann sich nicht mal eben fuenf Dollar fuer 15 Minuten Internet leisten um ohne Sprachkenntnisse einen neuen Job zu finden. Die Malediver sind besser dran:</p>

<p>Sie sehen nicht ein, dass ein auslaendischer Manager ihnen Schwimmen, Schnorcheln und Angeln in ihrem eigenen, zu 99 Prozent aus fischreichem Ozean bestehenden Land verbieten kann. Die Soehne der Atolle stattdessen ihre Freizeit in schaebigen, ueberbelegten Kaschemmen mit unbefestigten Boeden, den "Staff Areas", verbringen muessen, um das Image der Malediven, muehsam aufgebaut und aufrechterhalten durch viele flei§ig international agierende PR-Helferlein, nicht zu zerstoeren. Dass manche Resorts drei bis vier Angestellte pro Doppelzimmer beschaeftigen, der Urlauber mu§ verwoehnt werden; er soll sich nicht wundern, wo diese ganzen vielen armen Menschen aus den Nachbarstaaten ploetzlich herkommen, was suchen diese auf einer 5-Sterne-Insel? Das Urlaubsparadies kann keinen Reality-Check vertragen. Kein Tourist soll im Inselinneren das Abbild der Slums von MalŽ finden, dabei geben selbst ehemalige Hilton-Hotelangestellte zu, waehrend der Arbeit Heroin zu geraucht zu haben, sonst haetten sie ihre eigene erbaermliche Realitaet kaum aushalten koennen.</p>

<p>Die MDP verspricht, alles zu aendern.</p>

<p>Doch der Wahlsieg der Demokraten ist mehr als fraglich, ebenso wie der Tag der Verabschiedung der neuen Konstitution, ebenso wie der Tag der ersten demokratischen und hoffentlich freien Wahlen in einem der schoensten Tauchreviere der Welt.<br />
Doch durch Einschuechterung der Inselhaeuptlinge, durch ihr Erzwungenes Einschwoeren auf die Diktatorenlinie, zweifelt die Opposition an ihrem Wahlsieg.</p>

<p>Nur im Internet wird frei geschrieben, Sappe', Freund von Anni`, lebt im britischen Exil und erhaelt Schutz durch Scotland Yard, nachdem er Morddrohungen durch die Ehefrau des Polizeipraesidenten per Email erhielt. Die Polizei identifizierte den Server, ueber den die Drohung lief, die Dame wurde verwarnt. Sappe'ist der Herausgeber der ersten freien maledivischen Tageszeitung des "Dhivehi Observers", auf den Inseln ist sie natuerlich gesperrt, aber Sappe'hat weltweit Helfer, die seine Seite auf ihren Servern spiegeln.</p>

<p>Wer durch zahlreiche kostspielige Entertainment-Angebote wie kulinarisch hochwertige Champagner-Picknicke auf einsamen Inseln mit privatem Wasserflugzeugtransfer, Hochseefischen und der mehrere tausend Euro teuren Durchfuehrung einer indopazifischen Phantasie-Hochzeitszeremonie zur Kasse gebeten wird, soll nicht erkennen, was die quirligen einheimischen Twens Donko', Mudo', Amitab und Ziad auf einer Neckermanninsel zu Protokoll gaben:</p>

<p>"Wir koennen viel ertragen. Jeden Tag Gaeste mit Speisen zu bedienen, von denen wir keine Reste, nicht einmal eine einzige Banane aus unserem Land, essen duerfen, koennen wir verkraften. Wir koennen uns auch das Schwimmen und Fischen verbieten lassen, schlie§lich werden wir hier nicht ewig auf "Prison Island" in unserer Staff Area hocken muessen. Aber dass wir bei den vielen Stunden, die wir beim Servieren rennen und stehen muessen, nur auf zerfetzten Matratzen schlafen muessen und trotz wochenlanger Beschwerden keine neuen bekommen? Eine Nacht im Wasserbungalows kostet soviel wie 10 Matratzen fuer uns. Warum der Sri Lankesische Chef unsere Klagen ueber die Rueckenschmerzen nicht erhoert, das verstehen wir nicht. Nun hauen wir einfach alle ab!" sagt Ziad im Namen der Gruppe und kichert schadenfroh.</p>

<p>Durch Freunde auf ihren Heimatinseln erhielten sie vorletzte Woche die Nachricht, dass ein neues Resort, Kandooma, im Sued-Male-Atoll neue Mitarbeiter braucht, per SMS baten sie ihre Brueder in der Wifi-Area von Male'-Bosnia, Bewerbungen zu schreiben. Denn nicht auf allen Inseln sind die Lebensbedingungen schrecklich, Kandooma beispielsweise bietet Schulungen, Aufstiegschancen, Urlaubsgehaelter, Freizeit und Schwimmspass auf der Insel, wie so viele andere Resorts und Hotels der Four Seasons-Kette, wenigstens die Inhaber, zwei der reichsten Maenner der Welt, haben verstanden, dass radikale Ausbeutung zu schlechtem Service fuehrt. Andere Resorts verfolgen ebenfalls diese Policy, doch je billiger die Pauschalreise, desto schlechter die Lebensbedingungen der Angestellten.</p>

<p>Doch auch ohne einen neuen festen Job in Aussicht verlassen die Locals oft bei Nacht und Nebel ihre schrecklichen Chefs, gebackupt vom schrecklichen folternden Regime, welches die Inseln meistbietend fuer jeweils drei§ig Jahre an den meistbietenden Konzern verpachtet.</p>

<p>Die jungen Maenner steigen, so wie es die Seefahrernation seit Jahrhunderten praktiziert, einfach auf ein Dhoni, auf dem Steg, der ihnen zu betreten verboten ist. Dann segeln sie ueber den tuerkisen Traum der indopazifischen Welt der Atolle, der Sandbaenke und der in den Himmel ragenden Korallenstoecke auf ihre Heimatinsel und in die Freiheit zurueck.</p>]]>
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<title>Der brennende Fels auf der Halbinsel Apscheron bei Baku</title>
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<title>Aserbaidschan Moto Crew</title>
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<title>FAS Sand in Sicht</title>
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<title>Willkommen bei Koenigs!</title>
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<summary type="text/plain">Jeddah - Wie ein nasser, hei§er Bademantel legt sich die Luftfeuchtigkeit um die Schultern der Reisenden in der groe§ten Wirtschaftsmetropole des Koenigreiches Saudi Arabien. Erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 11.05.08...</summary>
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<![CDATA[<p>Jeddah -  Wie ein nasser, hei§er Bademantel legt sich die Luftfeuchtigkeit um die Schultern der Reisenden in der groe§ten Wirtschaftsmetropole des Koenigreiches Saudi Arabien.</p>

<p>Erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 11.05.08</p>]]>
<![CDATA[<p>Maennliche Muslime, die sich zur kleinen Pilgerfahrt, der Umrah, aufmachen, sind bereits am Flughafen in ihr Pilgergewand gekleidet. Sie tragen wei§e Handtuecher aus dickem Frottee, locker um Hueften und Schulter geworfen. Ziel der tausenden derart gekleideter Maenner ist die Kaba'a in Mekka, nur 80 km entfernt. Einige sind schon wieder auf dem Rueckweg von der kleinen Pilgerreise, sie schleppen 5-Liter-Kanister voller Zam Zam, dem heiligen Wasser aus der heiligen Quelle, die Abrahams Sklavin Hagar einst durch Gabriel erschien. </p>

<p>Terrorsicher eingeschwei§t in dicke durchsichtige Folie, reist das heilige Wasser heutzutage als Bordgepaeck in die EU. Unter die wei§betuchten Maenner mischen sich auch einige Frauen. Sie tragen die schwarze bodenlange Abeya, dazu Kopftuch oder Gesichtsschleier. Die Kleiderordnung "for the ladies" ist nicht nur dem Glauben geschuldet: sie ist gesetzlich festgelegt und ist auch von Touristinnen zu befolgen. Swimming Pool in Fuenf-Sterne-Hotels? "Sorry Mam, it's illegal for the ladies!"</p>

<p>Der lokale Reiseveranstalter ueberreicht weiblichen Gaesten die Abeya beim Begrue§ungsfruchtcocktail. Es gibt Regeln fuer Touristen. Unverheiratete weibliche Gaeste muessen das 29. Lebensjahr vollendet haben. Vor zehn Jahren betrug das Mindesalter noch 40. Die Reisegruppe muss immer zusammen, immer beim Guide, meist bei der Security bleiben. Auf Fahrten durch die Wueste werden Touristen stets von bewaffneten Sicherheitskraeften eskortiert. Die Heiligen Staetten sind fuer Kuffar, Unglaeubige, nicht zu betreten. Rings um Mekka und Medina trennen Autobahnabfahrten  Muslime von Nicht-Muslimen. Vergehen gegen das Alkoholverbot werden mit 80 Stockschlaegen oder drei Jahre Gefaengnis geahndet. Vergehen gegen die Null-Toleranz-Drogengesetze mit dem Schwert.</p>

<p>Jeddah, 465 Kilometer von Medina, der Stadt, in der Mohammed seine treuesten Juenger fand, in der er zum ersten Mal mit hier seit Urzeiten angesiedelten juedischen Staemmen in Konflikt kam, ist seit jeher die kosmopolitischste Stadt des Koenigreiches. Erst 1925 fiel sie und mit ihnen der wichtigste Hafen im Nahen Osten unter das strenge Regiment der Sippe der Al-Sa'ud.</p>

<p>Heute dient das Arrival Gate des Flughafens als Einfallstor zu den Heiligen Staetten des Islam. Seit Jahrhunderten liegen sie in der Obhut des Koenigs, des "Waechter der zwei Heiligen Staetten" und stellen fuer Abdullah bin Abd al-Aziz Al Sa'ud und seine Familie eine sichere Einnahmequelle fuer die stetig wachsende Pilgerindustrie dar.</p>

<p>Jedda ist aber auch Hoffnungstraeger fuer Millionen Illegaler, die nach Ablauf ihres Pilgervisums einfach hier blieben, um dem Hunger im Sudan, in Somalia, in Bangladesh zu entgehen. Sie ueberziehen ihr Visum, bleiben in Jedda, finden sich im Slum Karantina, in dem es aussieht wie in Dschibuti.</p>

<p>Doch das Treiben am Flughafen ist beseelt von der Stimmung des Ihram, den besonderen, meditativen Vibes, die die Pilger am Arrival Gate verbreiten. Niemand hier kaeme jetzt auf die Idee, diesen Tag einen Mittwoch im April zu nennen. Es ist Rabi At-Thani, der zehnte Tag im zweiten Fruehlingsmonat des islamischen Kalenders im Jahre 1429 nach Hidschra, also nachdem Mohammed ibn 'Abd Allah ibn 'Abd al-Muttalib ibn Haschim ibn 'Abd Manaf al-Quraischi aus Mekka in die Welt auszog und den Islam verkuendete. Und das Gebot fuer jeden seiner Juenger erlie§, zumindest einmal im Leben zur zur Kaba'a zu pilgern. Der Stein war schon zuvor, in der vorislamischen Zeit der Dschahiliya ("Dunkelheit"), von den Arabern der Halbinsel verehrt worden. Wie auch andere Steine, gebrannte Tongoetzen und Naturgottheiten.</p>

<p>Der Stamm, aus dem Mohammed kam, die Quraisch, war einer der Staemme, die schon damals mit Tourismus Geld verdienten. Das Geschaeft mit der Reise ist in diesem Heligen Land an der Weihrauchstrasse aelter als der Islam und das Koenigreich. Seit  das auf sanfte Modernisierung bedachte Koenigshaus deutsche Sicherheitstechnik einkauft, gibt es auch keine Toten bei der religioesen Pflichterfuellung mehr. 2006 noch starben 364 Pilger, dann uebernahm ein deutsches Verkehrsplanerteam die logistische Leitung fuer die rund zwei Millionen Pilgerer, die Hadschis. Neben dem Bau von Wegeleitsystemen und Einbahnstrassen in Mekka und Medina sind noch weitere Investitionen in Hoehe von ueber zehn Milliarden Dollar in Infrastruktur und Bauvorhaben geplant. Ein guter Teil davon fuehrt nicht nur zu Megaprojekten wie dem Bau der "King Abdallah City" rund 100 Kilometer noerdlich von Jeddah, sondern auch in die Foerderung des Tourismus fuer Nicht-Muslime. "Kein Individual-, kein Massentourismus, keine Visa fuer Russinnen!" erklaert Ahmed Mostafaa, der mit seiner Reisegesellschaft "Sadd Al-Smallaghi Establishment" rund 80 Prozent der auslaendischen Touristengruppen betreut. Rund 2000 Menschen aus Deutschland, Japan, Frankreich und England im ersten Quartal 2008. Zum Vergleich: pro Hadsch (gro§e Pilgerfahrt in der Saison) kommen zwei Millionen Gaeste, bald soll die Infrastruktur fuer sechs Millionen stehen. Ausbau des Luxuspilgertourismus, Sieben-Sterne VIP-Service an den Pilgerstationen.</p>

<p>Dafuer, dass sich die selbst stolz als "geschlossene Gesellschaft" bezeichnenden Saudis oeffnen wollen, gibt es viele Gruende. Der nationale Tourismus soll angekurbelt werden um die Millionen, die derzeit in London, Marbella oder an der Cote d'Azur ausgegeben werden, im Land zu halten. Tourismus ist personalintensiv. Die inoffizielle Arbeitslosenquote von rund 30 Prozent koennte so gesenkt werden, dem Ziel der "Saudification" koennte dadurch Vorschub gegeben werden. Stellen, die durch Auslaender besetzt sind, sollen mittelfristig fuer saudische Arbeitnehmer zur Verfuegung stehen. Allein eine Million Jobs sollen in King Abdallah City ab Ende des Jahres geschaffen werden, dazu Lebensraum fuer fuenf Millionen Menschen. Insgesamt sind sechs solcher Wuestenstadt-Projekte im Bau, denn die saudische Bevoelkerung waechst rasant. Eine saudische Frau schenkt statistisch rund vier Kindern das Leben. Jede Familie besitzt mehrere Autos, meist amerikanische Spritschlucker, egal bei 30 Cent pro Liter. Die derzeit rund 28 Millionen Untertanen werden bis zum Jahr 2025 auf ein 40 Millionen Volk gewachsen sein, das pro Kopf achtmal so viel Energie und Wasser wie ein Bundesbuerger verbraucht. Jobs muessen geschaffen werden, Universitaeten gebaut, Studenten zum Wissenstransfer in Ausland geschickt werden, um eines Tages unabhaengig vom Westen zu sein. </p>

<p>Noch aber sind die Dienstleistungsbranchen fest in fremder Hand: Bengalen dienen als Taxifahrer und Hotelboys, Philippinas als Nanny oder Krankenschwester. Mit rund 600 Dollar pro Monat verdienen sie dreimal soviel wie ihre Kollegen in Jordanien oder Libanon. Trotz hoeherer Lebenshaltungskosten schaffen sie es, von dem Geld ihre Familien in der Heimat zu unterstuetzen. Ob sich die saudischen Angestellten in ein paar Jahren, nach der "Saudifizierung", auch so bereitwillig kommandieren lassen wie diese dienstbaren Geister, die sich mit ihrem teils sehr schlechten Englisch um die Befriedigung der Gaestewuensche bemuehen?<br />
Im mittleren Management der gehobenen Hotels trifft man Jordanier, Libanesen, Syrer und Palaestineser, im oberen Management, sei es in der …l- oder der Hotellerie-Branche, gelten europaeische und US-Manager als beste Visitenkarten. Thomas Huber traegt die wohl nur im Orient existierende Berufsbezeichnung "Palace Manager". Das luxurioeseste neue Hotel des Koenigreiches, wenn nicht der Welt, das "Qasr al-Sharq", ist der Palast, den Herr Huber seit einem Monat leitet. Nach bester schwarzwaelder Hoteliertradition unterhaelt er seine Gaeste beim natuerlich alkoholfreien Lunch. Hier duftet die Luft nach opulenten Blumengestecken. †berall glitzert es, sei es einer der ueber 600 000 in 24-karaetiges Gold eingefassten Swarovski-Kristalle, oder aber auch Teile der 60 Kilogramm verbauten Blattgoldes. "Einmal wie ein Koenig leben!" fuer diesen Traum ist das Qasr al-Sharq, nach ueppigstem royalen State-of-the-Art-Design kreiert worden, mit Blick auf die Corniche von Jeddah das Rote Meer. Die Waldorf-Astoria-Gruppe hatten die Idee, ein bombastisches Haus zu schaffen, fuer Menschen, die gewohnt sind, mit Personal zu reisen. Also eher arabische Touristen, die Royal Family und ihre Gaeste.</p>

<p>Der 36-jaehrige Herr Huber fuehlt sich sicher in seinem neuen Gastgeberland, und er moechte, dass seine Gaeste sich ebenso sicher fuehlen. So wie die Frauen in ihrem "Women's Only" Spa, dass selbst er nur zu vorgeschriebenen Zeiten betreten darf, sonst wuerde der einzige fuer Frauen zugelassene Badespass des Landes - abgesehen von einigen exklusiven Privatstraenden - kein Vertrauen geniessen. Dass das Militaer vor dem Qasr al-Sharq in Panzern stationiert ist, gibt ihm ein gutes Gefuehl. "Nach 9-11 war das Image der Saudis ganz unten", erklaert  Palastmanager Huber, aber den "terroristischen Umtrieben" sei hier mit "landesueblichen Mitteln" entgegengetreten worden. Die fundamentalistische Aggression gegen Westler sollte nun behoben sein. Begeistert erzaehlt er von seiner neuen Aufgabe, im boomenden Markt solch ein Hotel der Spitzenklasse zu leiten. Die Koenigsfamilie residiere gern in der 1000-Quadratmeter gro§en "Royal Suite", die Bettwaesche ist mit Goldfaeden durchwirkt. Huber selbst lebt, wie fast alle der rund sieben Millionen Auslaender, den Expats, in einem "Compound", einer festungsartig gesicherten Wohnanlage fuer Westler. Die Lebensbedingungen im Compound seien ideal, hinter dicken Mauern duerften Auslaenderinnen im Pool schwimmen, es gibt gemischtgeschlechtliche Gyms, internationale Shops, alles AirCon.<br />
So manch ein Bewohner, berichtet ein sudanesische Page am Lift des Faisalyia Towers in Riyad, braut in der Anlage auch seinen eigenen Alkohol. "Schreiben Sie nicht, dass ich ihnen das erzaehlt habe!" kichert der kleine Afrikaner, "da wo ich wohne, ist alles moeglich. Wir machen unsere Musik, unsere Party...die Philipinas beten sogar illegalerweise am Sonntag, zu Jesus. So wie die Saudis hier kann ja kein normaler Mensch leben, nicht mal sie selbst!".</p>

<p>Kleine Einblicke vor gro§em Panorama: In Norman Fosters beeindruckendem Bau, 240 Meter ueber dem versmogten Riad, in einer riesigen verspiegelten und getoenten Glaskugel, spielt  versteckt das Leben der Jeunesse DorŽe. Junge, schoene, reiche Menschen treffen sich hier am Donnerstagabend, die rebellischen Protagonistinnen aus Rajaa Alsaneas internationalem Jugendkultur-Bestseller "Die Girls von Riad" koennte man hier vermuten. Hierhin, ins noble Restaurant "The Globe", kommt die Mutawwa, die Religionspolizei, nicht. Dunkle Lippen zu hell geschminkten Wangen, dramatisch-orientalische Smokey Eyes und hochgeschlitzte Abeyas zu High Heels. Cousins gehen mit Cousinen, Brueder mit Schwestern aus und alle flirten mit anderen Schwestern, die ihre Brueder und Cousins zum Aufpassen und zum Flirten mit dabei haben. Ein wenig komplizierter als in London, Marbella oder Paris, trotzdem: eifriger Nummernaustausch ueber Bluetooth-Handys. Die gesetzteren Herren haben darueber ein eigenes Stockwerk zum Zigarrenrauchen. Die Frauen nicht. Die Damen  funktionieren also die Vorraeume der Damentoiletten zu Smoking Lounges um. Die langen Abeyas haengen an den Haken, europaeische Roben werden gerafft, es wird wie auf jeder Damentoilette der Welt das Haar geglaettet, gequatscht und gepudert.</p>

<p>Um das Land, das sechsmal so gro§ wie Deutschland ist, waehrend einer zweiwoechigen organisierten Gruppenreise moeglichst intensiv kennenzulernen, wird der Tourveranstalter Inlandsfluege buchen. So kann man abends noch in Riad nach Gourmet-Standard dinieren um am darauffolgenden Morgen nach kurzem Flug ueber geometrisch angelegte Agrikulturen in der Steinwueste mitten auf - und in der Zeit der - Weihrauchstrasse zu landen. Um die Sehenswuerdigkeiten der noerdlichen Region um Sakkaka zu besuchen, muessen stets einige hundert Kilometer gefahren werden.</p>

<p>Das verschlafene Provinzdorf Al-Ula ist Ausgangspunkt fuer Trips nach Mada'in Saleh, dem saudischen Petra mit monolithischen Sandsteingraebern der kurz nach Christi Geburt verschwundenen Nabataeer-Kultur. Im Gegensatz zu Petra gibt es hier keine weiteren Reisenden, leider aber auch noch keinen Denkmalschutz. Graffitis und Zerstoerung schmerzen im Auge des vertraeumten Orientalisten an sagenumwobenen Ort.</p>

<p>Auch die legendaere Hidschaz-Eisenbahn, deren traurige †berreste von einem kurzen Gastspiel rheinlaendischer Ingenieurskunst im Osmanischen Reich zeugen, ist in hier in der noerdlichen Region zu finden.<br />
Spontan wuenscht man sich deutsche Eisenbahner-Vereine herbei, um dieses Juwel einer Dampflock, mit der schon Lawrence von Arabien fuhr, wieder in Stand zu setzen. Die legendaere Hejaz-Railway Station 21 ist nurmehr ein kaputtes eingeschmolzenes Lehmhaeuschen. Davor steht ein angefledderter, morscher Waggon aus dem Rheinland. Der Tour Guide bricht ein Stueck Metall, eine viertel Planke des vetrockneten Holzes<br />
ab: "Take Souvenir!"<br />
Touristen fahren im klimatisierten Mercedes-Bus, bewacht von der Eskorte. Nach Taima, einer relativ guterhaltenen Oasenstadt, einer schon in vorbiblischer Zeit wichtigen Station der Weihrauchstrasse, die vom Jemen nach Gaza fuehrte. Schon in der Jungsteinzeit lebten Menschen hier, juedische Staemme, der Babylonische Koenig Naboid betete hier. Spaeter dann begruendeten die Nabataeer ihren Reichtum in dieser Oase durch die Wasserhoheit. Sie  konnte Muenzen schmieden.</p>

<p>Archaische Landschaft in orange und rot, weite Horizonte. Abstrakte Felsformationenen, wilde Kamele und Stra§enschilder, die vor ihnen warnen. Wer schon etwas von Arabien gesehen hat, erinnert sich in der Oase, inmitten von Dattelpalmen und zerfallenden Lehmhaeuschen, ein wenig an die aegyptische Oase Siwa. Die Landschaft der enormen Sandsteinformationen, rings um das hier vergrabene biblische Dedan: dem jemenitischen Hadramauth, dem nordamerikanischen Monument Valley nicht unaehnlich.</p>

<p>Und immer wieder, in der Ferne: hochgelegene Felsengraeber, zu hoch, um beschmiert zu werden, aber leider auch zu hoch und ungesichert, sie zu besichtigen. Noch laengst ist nicht klar, was das Koenigreich an versunkenen Schaetzen vorzeitlicher Kultuern zu bieten hat. An den  Ausgrabungen in der Region ist das Deutsche Archaeologische Institut beteiligt. Um sich vor Pluenderern zu schuetzen, aber auch um dem Vorwurf, man buddele "unislamische Goetzenabbilder" aus, vorzubeugen, soll nicht detailliert ueber das Projekt berichtet werden. Unter dem staubigen Wuestensand, bei den wilden Kamelen, zwischen atemberaubenden Wuesten- Canyon- und Duenenlandschaften liegen noch viele laengst nicht entzifferte Zeitdokumente vergraben. Ganz abgesehen von der Schoenheit der schoepferischen Kunst Allahs, die er an der koeniglichen Kueste des Roten Meeres zur farbenfrohen Symphonie der Perfektion aufspielen lie§: "schoener" als "€gypten vor zwanzig Jahren" soll die Unterwasserwelt hier noch sein, wissen Taucher zu berichten.<br />
Die Saudis setzen auf streng reglementierten Studien- und Kulturt- und Tauchtourismus, der mit dem Massentourismus auf der anderen Seite der Roten Meeres nicht verwandt sein soll. Nur die Pilger sollen bald schon in noch groe§eren Massen kommen, wenn die derzeit noch aus logistischen Gruenden  auf zwei Millionen beschraenkten Pilgervisa auf sechs Millionen aufgestockt werden koennen. Und wenn die Guides die historischen Eisenbahnteile und die Korallenzweige an ihren Originalplaetzen belassen, dann bleibt diese andere, fremde Welt des Koenigreiches der zwei Heiligen Staetten noch lange so urspruenglich erfahrbar wie heute, am zehnten Tag im zweiten Monat des Fruehlings, im Jahre 1429 nach dem Mohammed von Mekka auszog und begann, die einzig wahre Religion von Saudi Arabien aus in der Welt zu verbreiten.</p>]]>
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<title>The Conquest of the Kingdom of Saudi Arabia</title>
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